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Bausteine
einer Geschichte des Dorfes I
S T R U P
(zusammengestellt von Brigitte Osterloh u. Burkhard Künneke)
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Vorbemerkung:
Istrup, das reizvolle von bewaldeten Hügeln an der B
64 zwischen Bad Driburg und Brakel gelegene kleine Dorf, ist heute ein Ortsteil
der Stadt Brakel im Landkreis Höxter/NRW. Mit seinen über 700 Einwohnern hat
dieser Ort keine spektakuläre aber dennoch interessante Entwicklung
durchlaufen. Zu dieser Einschätzung kommt auch der Autor H. Neuheuser. Er
schreibt in seiner Abhandlung mit dem Thema „Istrup, der
alte Rittersitz Istingdorf“: „Sehr reichhaltig ist die Geschichte dieses kleinen
Ortes [...]“.
Die Darstellungen auf dieser Homepage können im
Vergleich zur reichhaltigen Entwicklung daher nur bruchstückhaft sein. Die
Verfasser würde es trotzdem freuen, wenn das Interesse am geschichtlichen
Werdegang des Ortes bei den Leserinnen und Lesern geweckt bzw. vertieft würde.
Rittersitz Istincthorp
Als „Dorf“ wird
Istrup erstmalig im Jahr 1231 in einer Hardehausener Urkunde erwähnt. Entstanden
ist der Ort wohl durch das Zusammenlegen mehrerer Anwesen. Noch heute weisen
aktuelle Flurnamen wie „Jaddenhusen“ (früher Anwesen der Herren von
Jaddenhusen), „Osterhusen“ (früher Anwesen der Herren von Osterhusen) auf die
Lage dieser ehemaligen Einzelhöfe hin. Wohl der größte und wichtigste Hof war
die Siedlung der Ritter von Istincthorp.
Ihre Burg wird an der Stelle vermutet, an der heute die Kirche steht. Dieses
Adelsgeschlecht wird schon 1158 urkundlich
genannt und kommt bis Ende des 15. Jahrhunderts in den Dokumenten vor. 1507
übernahmen die Herren von der Asseburg den Heerser Lehnbesitz der Ritter von
Istincthorp.
Aus der Zeit
zwischen der ersten Erwähnung Istrups (1231) bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts
liegen bisher keine weiteren zusammenhängenden Forschungen vor. Daher sollen an
dieser Stelle ab dem Jahr 1800 wichtige dörfliche Entwicklungen aufgezeigt
werden.
Entwicklung des Ortes seit 1800
Aufgrund der
Lage der größeren Anwesen nahm Istrup zunächst die Form des „Einstraßen-dorfes“
an; begrenzt südlich durch den auf der Anhöhe verlaufenden „Paderborner Weg“
und nördlich sowohl durch den auf der Anhöhe angelegten „Alten Postweg“ als auch
der von Napleon ausgebauten Landstraße, die von Brakel nach Driburg führt.
Zwischen diesen bewaldeten Anhöhen entwickelte sich der Ort Istrup.
Die
wirtschaftliche Entwicklung
Die Enge des
Tales, die Bodenbeschaffenheit und die durch das Tal verlaufenden Verkehrswege
setzten dem Ackerbau Grenzen.
1818 bringen
das Gewerbe (z.B. Produktion von Leinenerzeugnissen) und die auswärts tätigen
Tagelöhner bereits mehr Geld in die Gemeindekasse als der Ackerbau. Der damalige
Lehrer Ferdinand Ernst sieht neben der oben erwähnten Ursache noch zwei weitere
Gründe für die geringe Effektivität in der Landwirtschaft. Er schreibt 1818
in der Chronik, dass der Ackerbau
nur „schlecht und mit wenig Liebe, Emsigkeit und Aufmerksamkeit“ betrieben
würde. Es würde zu wenig über den eigenen Bedarf liegend produziert. Selbst
der Eigenbedarf würde nicht immer befriedigt. Zwei Hauptfehler sollten zukünftig
nicht mehr begangen werden:
1) Vernachlässigung
bzw. Vermeidung der Rindviehzucht
2) Zu
wenig Hilfskräfte in der Landwirtschaft
Als nach dem 1.
Weltkrieg u.a. die Arbeitsmarktlage immer schlechter wurde, diente die Landwirtschaft
der Lebenssicherung. In Istrup gab es fast in jedem Haushalt Ziegen oder
sonstiges Kleinvieh wie Gänse, Hühner ec.
1924 wurde
statistisch folgendes dazu ausgewiesen:
Von 82
Haushaltungen mit zus. 471 Personen
-
betrieben 12 Familien Landwirtschaft mit Pferden;
-
17 Familien beackerten das Land mit Zug - Kühen;
-
19 Familien hielten eine Kuh;
-
34 Familien hatten eine oder mehrere Ziegen.
Nach dem 2.
Weltkrieg führte der Zwang zur Mechanisierung dazu, dass immer mehr Kleinlandwirte
ihre Arbeit in der Landwirtschaft aufgaben. Heute haben wir noch 3 reine
Land-wirtschaftsbetriebe.1956 gab es in Istrup folgende Gewerbebetriebe:
Baugeschäft, Baumschule, Bäckerei und Mühle, Elektrogeschäft, Großhandel für
Treibstoffe, Schmiede, Schusterwerkstatt Stellmacherbetrieb, Tischlereibetrieb,
2 Gaststätten, 2 Kolonialwarengeschäfte.
Eine wichtige
Quelle zur Verbesserung der finanziellen Situation in der Bevölkerung war im
19. Jhd. die Produktion von Leinenerzeugnissen. Diese Produkte aus Leinen trug
man nach Kassel. Dort wurden sie auf den Märkten verkauft. Auch auf dem über
die Regionalgrenzen hinaus bekannten Istruper „Spindelmarkt“
bot man Leinenerzeugnisse an.
Friedrich August
Jungmann betrieb im 19. Jh. als
Kunsttischler und Instrumentenmacher das Handwerk des Klavier- und
Geigenbauers. Er verkaufte seine Instrumente bis in die Schweiz.
Eine
Verbesserung des allgemeinen Wohlstandes brachte in Istrup die Vereinzelung
größerer Güter wie z.B. Pieper (1833),
Schlütz (1836) und Schrammen (1838). Dadurch konnte die
„geringere Klasse“ der Einwohner durch ein angemessenes Grundeigentum ihre
Notlage
mildern.
Es wurde bereits
weiter oben angedeutet, dass Verkehrswege durch das Tal führten.
Zu nennen wären
hier:
- die dem Verkehr am 1.12.1855
übergebene Kreisstraße (auch genannt „Provinzialstrße) zwi-
schen Brakel und Driburg;
- die Bahnstrecke zwischen Driburg und Höxter, die am 10.9.1864 erstmals
von einer Lokomoti
ve und am 30.9.1864 vom ersten
Personenzug befahren wurde. König Wilhelm I befuhr
im Oktober 1865 diese Strecke und kam
am 20. Oktober – begrüßt von den Schulkindern und
Schützen – auch durch Istrup.
- Im Jahr 1995 wurde die neue B 64 dem Verkehr übergeben. Dadurch wurde
es erheblich
ruhiger und sicherer im Dorf.
Bauliche
Maßnahmen in Istrup
Durch das Tal
verläuft auch der Bach die „Aa“. Über die Aa
wurde im März 1862 mit dem Bau einer Brücke begonnen. Nach
Fertigstellung im Juli des Jahres 1862 hatte man endlich den sonst
üblichen Weg durch das Wasser
überflüssig gemacht und eine Verbindung zwischen den nördlichen und südlichen
Ansiedlungen geschaffen.
1852 begann man
mit der Auffüllung des „Hohlweges“ (heute „Istruper Straße“). Die Arbeiten
dauerten bis 1855 und wurden notwendig, weil das durch den Hohlweg fließende
Wasser den Weg mehr und mehr vertiefte. Mit 5000 Fuder Schotter und einem
Geldeinsatz von 300 Talern für den angelegten Kanal hatte man das Problem
zunächst gelöst.
Durch die
vorgegebenen landschaftlichen Gegebenheiten erfolgte im Laufe der Zeit eine
stärkere Bebauung der Südhälfte (sog. „Oberdorf“) des Ortes. Hier befanden sich
auch neben der Kirche und Schule die „Kolonialwaren-geschäfte“, die Post und
die Schmiede. Dem Zeitgeist folgend gaben die letztgenannten Gewerbetreibenden
ihre Geschäfte auf. Die Poststelle wurde ebenfalls geschlossen.
Erfreulich ist,
dass es gelang, im leerstehenden Feuerwehrgerätehaus einen Kindergarten
einzurichten. Am 12. August 1991 hatten 25 Kinder ihren ersten Kindergartentag.
Seit 1995 wird der Kindergarten als „integrativer Kindergarten“ geführt, d.h.
behinderte und nichtbehinderte Kinder werden gemeinsam von drei Erzieherinnen
betreut. Diese begrüßenswerte Form des Kindergartens ist im Kreis Höxter wohl
einmalig.
Erfreulich ist
ebenfalls, dass es durch das Engagement einiger Bewohner der Gemeinde Istrup
gelang, zwei historisch interessante Häuser im Herzen der Gemeinde zu erhalten:
Das Lehrer- und Küsterhaus
und die Kaplanei. Für Informationen über diese beiden Häuser sowie über die
Kirche und zur Kirchengeschichte verweisen wir auf die von Markus Schlotjunker
verfasste umfassende Festschrift zum 300jährigen Bestehen der Istruper Pfarrkirche.
Das Motto „Die
Dinge selbst in die Hand nehmen“ kann man fast als Markenzeichen der Bürger
der Gemeinde Istrup betrachten. So entstand in den Jahren 1976/77 durch den
Einsatz vieler handwerklich geschickter Männer – unterstützt durch Spenden
von Gemeindemitgliedern – die „Bürgerhalle“.
In dieser Sport und Freizeitstätte bekam gleichzeitig die Feuerwehr ihre Räumlichkeiten.
Außerdem wurde dort eine Kegelbahn eingerichten.
Eine
weitere große Gemeinschaftsleistung war der Bau einer Heimkehrerkapelle auf dem
Löwenberg. Im Mai 1966 wurde sie eingeweiht. Damit verwirklichte Johannes
Stiewe sein Gelöbnis aus dem 2. Weltkrieg: „Wenn ich heil’ in meine Heimat
zurückkehre, baue ich eine Kapelle!“ Mit Spenden ehemaliger Soldaten und der
Zusammenarbeit mit dem Spätheimkehrer August Dionysius setzte er dieses
Versprechen in die Tat um.
1951 wurde die
neue Volksschule am Brunsberg eingeweiht. 1968 erfolgte die Aufteilung der
Volksschule in Grund- und Hauptschule. Seit der Zeit war in dem Schulgebäude
nur noch die Grundschule untergebracht. Doch auch die Grundschule konnte nicht
lange gehalten werden. Am 1. August 1975 wurde auch sie aufgelöst; d.h. auch
für unsere I-Männchen ging’s ab nach Brakel.
Ab 1966 konnte
der TUS auf dem neuen Sportplatz um Punkte kämpfen.
1969 - Ein
ereignisreiches Jahr
-
Es wird beschlossen den Friedhof zu erweitern und eine
Friedhofskapelle zu errichten.
-
Auf dem ehemaligen Grundstück Loth wird ein
Kinderspielplatz angelegt.
-
Straßennamen werden eingeführt und die Häuser neu
nummeriert.
-
Gebietsänderungsvertrag mit Brakel: Istrup wird ein
Ortsteil der Stadt Brakel.
Am 31.12.1969 gibt Istrup
seine Selbständigkeit auf.
Ein weiteres
Markenzeichen der Gemeinde: Ein große Anzahl von Vereinen, mit vielen aktiven
Istrupern. Verdeutlicht werden soll das an den musiktreibenden Vereinen
In der Gemeinde
Istrup musizieren Woche für Woche etwa 140 Menschen, sei es im Chor, in der
Musikkapelle oder im Spielmannszug. Ausgehend von der Gesamteinwohnerzahl (742)
sind somit 22 % der Bevölkerung des Ortes Istrup musikalisch aktiv.
Anders verdeutlicht kann man sagen: Wenn z.B. in den Kernstädten Brakel oder
Höxter gleich viele Menschen aktiv wären, müssten in Brakel 1.700 und in
Höxter 3.400 aktiv musizierende Bürger nachgewiesen werden können.
Politische Zuordnung der Gemeinde Anfang
des 19. Jh.
Anmerkung:
Wir werden weiter in loser Folge historische Themen darstellen. Geplant
sind z.B. folgende Themen:
-
Einzelschicksale
– Kriege – Krankheiten
-
Leben in Istrup:
Spinnstuben, Schule, Holzfrevel
-
Heerse
(Neuenheerse) – Istrup: Darstellung der Beziehungen (historische Vertiefung)
Immer mehr Vereine blicken mit Stolz auf ihr
z.B. 100-jähriges Bestehen zurück. Sollte kein genaues Gründungsdatum
vorliegen, so kann bei der Nachforschung der folgende Text des Amtsgerichts
Höxter vom 12.3.93 bei der Festlegung des Gründungsjahres hilfreich sein:
“...(es) wird auf Anordnung mitgeteilt, daß als Gründungsjahr des
Vereins nur das Jahr angenommen werden kann, das sich durch eine eindeutige
Quelle wie z.B. Chronik, Protokollbuch pp. belegen läßt.“
(Text hervorgehoben durch den Verfasser)